Arktische Vögel auf der Halbinsel Kola

Hakengimpel, Wanderlaubsänger und Unglückshäher

10-tägige Reise nach Russland

Es gibt nicht viele Gebiete Europas, die ornithologisch so wenig bekannt sind, wie die ganz im Nordwesten Russlands liegende und an Norwegen angrenzende Halbinsel Kola. Mit der rauen Barentssee im Norden und dem Weißen Meer im Süden, zählt das Gebiet sicher zu den interessantesten, aber nur wenig untersuchten Beobachtungsorten nördlich des Polarkreises. Erst vor wenigen Jahren sind Küste und Taiga-Schutzgebiete für Besucher zugänglich gemacht geworden. Im spärlich bewohnten Landesinneren gibt es kaum Straßen. Die riesigen Seen, schneebedeckten Gebirgsmassive, dichte Taiga-Wälder und die unendliche Tundra erschweren ein Fortkommen. Auf unserer Tour wollen wir die wichtigsten Landschaften der Halbinsel erkunden. Dazu gehören die Küsten-Tundra an der Barentssee, dass Tal am „Heiligen Bergsee“ in der Berg-Tundra im Zentrum der Halbinsel und die Kandalakscha-Bucht am Weißen Meer. Der Zeitraum Ende Mai bis Anfang Juni ist perfekt für die Polarregion, da es nicht mehr dunkel wird und wir vollkommen flexibel im Tourenablauf sind. Viele Zugvögel des atlantischen Zugweges sind in ihren Brutgebieten angekommen und balzen sehr intensiv. Andere überqueren Kola und ziehen weiter in Richtung Uralgebirge und Sibirien. Unsere Bird-Expedition, mit Zeltübernachtungen und Märschen durch wegloses Gelände, erinnert an die Anfänge der Ornithologie. Für die körperlichen Anstrengungen entschädigen uns Abende am Lagerfeuer vor traumhaften Landschaften und unsere russischen Gastgeber, die stets um unser Wohlergehen besorgt sind.

Tag 1

Murmansk – Barentssee

Wir fliegen von Deutschland über St. Petersburg nach Murmansk im Norden der Halbinsel Kola. Hier werden wir von unseren russischen Kollegen abgeholt. Anschließend fahren in das 140 Kilometer entfernte Fischerdorf Teriberka. Auf den Weg dorthin durchqueren wir gleich mehrere Vegetationszonen. Um Murmansk erstrecken sich noch Wälder aus Fichten, Kiefern und Birken. Weiter östlich ändert sich die Vegetation schnell. Die Wälder lösen sich auf und gehen in eine Beerstrauch-Zwergbirkenheide über. Die Gebiete kurz vor der Küste sind vollkommen kahl oder nur von Flechten und Moosen überzogen. Immer wieder sind schmale Gletscherseen eingebettet. Unser Hotel liegt im kleinen Fischerdorf Teriberka, das erst durch den Film „Leviathan“ bekannt wurde. Teriberka ist einer der wenigen Orte auf Kola, die an der Küste liegen und den einzigen offiziellen Zugang zur Barentssee gewährleisten. Sicher haben wir noch Zeit, um in der unmittelbaren Umgebung Vogelarten der Polarregion zu suchen. Besonders die Meeresküste interessiert uns. Vielfach ragen schroffe Felsen aus der rauen See. Am Ufer fallen sofort kreisrunde Steine auf. Hier hoffen wir auf Meeresenten (Prachteiderente, Trauer- und Samtente) und Watvögel (Meerstrandläufer, Steinwälzer). Vielleicht haben wir Glück und finden in den Buchten eine der besonderen Raritäten des Nordens, wie Scheckente und Gelbschnabeltaucher. Sie rasten hier, bevor sie in ihre sibirischen Brutgebiete weiterziehen. Auf Felsen brüten Tordalk, Gryllteiste, Trottellumme, Papageitaucher, Dreizehenmöwe und Basstölpel. Auch mit der Dickschnabellumme können wir rechnen.

Buskilometer: 140 km auf guten Asphalt- und Sandwegen
Kilometer zu Fuß: 1-2 km durch unebenes steiniges Gelände
Reisezeit zur Unterkunft etwa 3 Stunden.
Unterkunft: Hotel, separate Doppel- und Einzelzimmer mit WC und Dusche

Tag 2

Küsten-Tundra

Zunächst beobachten wir an der Mündung des Flusses Teriberka. Hier interessieren uns die Strandwälle und nahrungsreichen Schlickflächen, an denen wir nach Watvögel suchen. Darunter Zwergstrandläufer als Brutvogel in der küstennahen Tundra, ebenso wie Temminck- oder Mornellregenpfeifer. Entlang des Flusses haben sich Weidengebüsche ausgebreitet, in denen Blaukehlchen und Buschrohrsänger vorkommen. Auch das Sibirische Schwarzkehlchen kommt hier schon vor. In der Tundra suchen wir nach Skua, Falkenraubmöwe, Ohrenlerche und an den kargen, mitunter noch schneebedeckten Hängen nach Sporn- und Schneeammern, Berghänflingen und dem Alpenschneehuhn. Ein weiteres Mal fahren wir auch an verschiedene Küstenabschnitte, um Meeresvögel zu beobachten. Eine Charakterart die unmittelbar an der rauen Küste vorkommt, ist der Strandpieper.

Bus: ca. 50 km auf Sandwegen
zu Fuß: 6 km durch unebenes steiniges Gelände, auch entlang der Küste
Übernachtung im Hotel in Teriberka.

Tag 3

Seen und Moore der Küsten-Tundra

Noch einem erneuten Stopp an der Küste fahren wir erneut in die Tundra. Diesmal wollen wir vor allem die Seen und Moore im Hinterland aufsuchen. Bisher haben sich hierher kaum Ornithologen verirrt, so dass wir Neuland betreten und vielleicht auch Pionierarbeit leisten. Die Fahrt erfolgt mit einem geländegängigen Expeditionstruck, so dass selbst schlechte Straßen kein Problem sind. Außerdem können wir bei schlechtem Wetter hervorragend aus dem Fahrzeug beobachten. Auf dieser Tour können wir mit hocharktischen Arten wie Odinshühnchen, Polar-Birkenzeisig und Zwergschnepfe rechnen. Gleichfalls mit Zwergammer, Thunberg-Schafstelze und mit etwas Glück Rotkehlpieper und Doppelschnepfe.

Bus: ca.50 km auf Sandwegen
zu Fuß: 6 km durch unebenes steiniges Gelände, auch entlang der Küste
Übernachtung im Hotel in Teriberka.

Tag 4

Imandrasee in Zentralkola

Heute wechseln wir unseren Standort. Es geht nach Süden nach Monchegorsk, in das bewaldete Zentrum der Halbinsel. Zuvor durchqueren wir nochmals die Tundra. Unser komfortables Hotel liegt am riesigen Imandrasee, in einer typischen postsowjetischen Bergarbeitersiedlung. Nach Bezug des Hotels beobachten wir in einem nebenliegenden Park. Hier hält sich gern der Unglückshäher auf. Er ist überhaupt nicht scheu und lässt sich mitunter auf kurzen Distanzen beobachten und fotografieren. Auch Lapplandmeise, Kiefernkreuzschnabel und Rotdrossel sind in dem Park heimisch. Immer ein besonderes Erlebnis ist die Beobachtung von Bergfinken in ihrem Brutgebiet. In den Buchten des Imandrasees finden wir Stern- und Prachttaucher, Trauer-, Samt- und Bergenten, sowie den Zwergsäger.

Bus: ca.250 km (ca. 4 Std.) auf guten Sand- und überwiegend auf Asphaltwegen
Kilometer zu Fuß: 3 km durch unebenes bewaldetes Gelände
Unterkunft: Hotel der Mittelklasse in Monchegorsk in Doppel- und Einzelzimmer.

Tag 5

Taigacamp am „Heiligen See“

Mit einem speziell ausgestatteten Fahrzeug fahren wir heute tief in die unwegsame Taiga hinein. Das traumhafte Lemgorr-Tal lässt sich nur mühselig befahren. Manchmal ist es besser zu Fuß zu gehen. Denn Felsen, Flüsse und Baumstämme blockieren den Weg. Dafür können wir unterwegs den Horst eines Raufußbussards entdecken. Immer wieder lassen sich Hakengimpel, Kiefernkreuzschnäbel oder Seidenschwänze sehen. Sie sind nicht Scheu und lassen sich oft auf kurzen Distanzen fotografieren. Eine Besonderheit in diesem Tal, ist das Vorkommen des Wanderlaubsängers. Am Seid Ozero (Heiliger See) errichten wir unser Zeltcamp. Es ist mit allem Komfort ausgestattet. Auch die kulinarische Seite kommt nicht zu kurz, denn unsere russischen Begleiter sind stets um unser leibliches Wohl bemüht. An diesem Tag unternehmen wir zunächst eine kurze Exkursion zum Heiligen See. Hier brüten Prachttaucher und Singschwäne. Natürlich ist auch mit Eulen zur rechnen. Den Abend verbringen wir am Lagerfeuer und hoffen in der langen Dämmerung auf Sperbereule und mit Glück auch auf den Bartkauz.

Buskilometer: ca. 30 km im 4×4 Truck auf sehr schlechten Wegen, teilweise im Schritttempo.
Kilometer zu Fuß: 3 km durch unebenes, steiniges, zum Teil mooriges Gelände in Gummistiefeln
Unterkunft: Zwei-Personenzelte, auch separat als Einzelzelt, mit guten und sehr dicken Matratzen. Keine sanitäre Anlagen vorhanden aber eine Trockentoilette. Keine Heizung, nur Lagerfeuer möglich.

Tag 6

Gerfalken am Lemgorrfelsen

Die Wanderung durch das weite Lemgorrtal erfordert einiges an Fitness, denn Wege gibt es keine. Immer wieder müssen wir kleine Moore oder Flüsse durchqueren. Dafür werden wir durch eine unvergleichliche Naturausstattung entschädigt. In den hellen und von Rentierflechten bedeckten Kiefernwäldern lebt der Auerhahn. Auch beide Schneehuhnarten (Alpen- und Moorschneehuhn) und das Haselhuhn kommen vor. In den dichteren Nadelwäldern ist der Dreizehenspecht zu erwarten. Nach mehreren Stunden Fußmarsch erreichen wir am Lemgorrfelsen den Brutstandort eines Gerfalken. Danach kehren wir zum Camp zurück.

Buskilometer: keine
Kilometer zu Fuß: 15 km durch unebenes steiniges, zum Teil mooriges Gelände in Gummistiefeln mit Flussdurchquerung.

Tag 7

Kandalakscha und Weißes Meer

Noch einmal sind wir am See unterwegs, um die Waldammer zu finden. Weitere Arten wie Nordische Ringdrossel, Rotdrossel und Lapplandmeise sind ebenfalls zu erwarten. Später fahren wir ans Weiße Meer im Süden der Halbinsel. Hier übernachten wir in einem komfortablen Hotel in der Stadt Kandalakscha. In der Vogelwelt finden wir Arten, die auch schon in Osteuropa vorkommen (Trauerfliegenschnäpper, Grünlaubsänger, Taigabirkenzeisig). Gleichwohl suchen wir Waldarten der borealen Zone, wie Blauschwanz, Zwergammer und Bindenkreuzschnabel. In den Mooren brütet der Grünschenkel und auf den Sandbänken der breiten Flüsse, der Terekwasserläufer.

Bus: ca. 30 km im 4×4 Track auf sehr schlechten Wegen, teilweise im Schritttempo. 120 km auf Asphalt (Reisebus).
Kilometer zu Fuß: 5 km durch unebenes, steiniges, zum Teil mooriges Gelände in Gummistiefeln
Unterkunft: Hotel mit gutem Mittelklasseniveau.

Tag 8

Blauschwanz am Kolvitsa – See

Den heutigen Tag widmen wir der Suche nach dem Blauschwanz, der lokal in den bergigen Fichtenwäldern in der Kandalakscha-Region vorkommt. Der Kolvitsa – See, den wir tagsüber aufsuchen, ist auch bekannt für das Vorkommen der stark gefährdeten Weidenammer. Allerdings ist Beobachtung dieser attraktiven Art nicht sicher, da der Bestand in den letzten Jahren stark rückläufig ist. Die Regenmoore die große Flächen der Halbinsel bedecken, wollen wir ebenfalls berücksichtigen. Sehr auffällig ist der Regenbrachvogel, der gern auch mal auf einer Baumkrone balzt. Weitere typische Arten in der Landschaft sind Merlin, Bruchwasserläufer und die Bekassine.

Buskilometer: 30 km auf Asphalt.
Kilometer zu Fuß: 5 km durch unebenes, steiniges, zum Teil mooriges Gelände in Gummistiefeln

Tag 9

Bootstour auf dem Weißen Meer
Am frühen Morgen sind wir erneut in den Wäldern unterwegs. Wir orientieren uns an den Gesangaktivitäten der Vogelarten, die in den frühen Morgenstunden am höchsten sind und gegen Mittag nachlässt. Anschließend unternehmen wir eine Bootstour auf dem Weißen Meer und erkunden die schärenartige Küste. Dabei werden wir uns vor allem an Wasservögel wie Eisenten erfreuen, deren Balzgesang auch akustisch ein besonderes Erlebnis ist. Natürlich rechnen wir mit Seetauchern (Stern- und Prachttaucher) und weitere Wasservogelarten, wie Singschwan, alle drei Sägerarten und vom Aussterben bedrohte Waldsaatgänse. Nur mit etwas Glück sollte uns die Sichtung der seltenen Beluga-Wale gelingen. Nachdem wir von Bord gegangen sind fahren am Nachmittag von Kandalskscha nach Murmansk zurück und beziehen hier unsere letzte Unterkunft.

Buskilometer: 250 km auf Asphalt.
Kilometer zu Fuß: 2 km durch unebenes, steiniges, zum Teil mooriges Gelände in Gummistiefeln

Tag 10
Murmansk und Heimreise

Wir werden zum Flughafen nach Murmansk gebracht und treten von hier aus die Heimreise an.

Reisetermin

  • 26.05.-04.06.2021

Leistungen

  1. 10 Tage/7 Nächte in Hotel-Unterkünften, 2 Nächte in komfortablen Zelten
  2. Flug Deutschland – Murmansk – Deutschland
  3. Vollpension
  4. Deutsche Reiseleitung Andreas Weber
  5. Lokale Reiseleitung und Personal vor Ort
  6. Transferfahrten an allen Tagen im Reisebus bzw. im 4×4 Truck
  7. Schiffstour auf dem Weißen Meer
  8. Eintritt in Schutzgebiete, Gebühren

Nicht enthalten

  • Visagebühren
  • Persönliche Ausgaben & Trinkgelder
  • Rail & Fly Ticket
  • Reiseversicherung (ERV-Reiseschutz)

Reisepreis

  • 2.950,00 EUR pro Person im Doppelzimmer
  • 3.170,00 EUR pro Person im Einzelzimmer

Zusatzleistungen

  • Rail & Fly Ticket
  • Reiseversicherung online hier

Hinweise

  • maximale Teilnehmerzahl 14 Personen
  • Mindestteilnehmerzahl 8 Personen
  • Kleingruppenaufpreis bei 6 bis 7 Personen von 200,00 Euro pro Person
  • Höhe der Anzahlung in % des Reisepreises: 20 %
  • Restzahlung in Tagen vor Reisebeginn: 28 Tage
  • Letzte Rücktrittsmöglichkeit durch den Veranstalter: Bei Nichterreichen der Mindestbeteiligung kann BaltikumNaturReisen bis spätestens 28 Tage vor Reisebeginn vom Vertrag zurücktreten. In der Regel informieren wir unsere Kunden aber früher und bieten Alternativen an. Auch wenn die Mindestteilnehmerzahl nicht erreicht wird, versuchen wir die Reise durchzuführen. Wir bitten Sie dann, sich an den Mehrkosten (200,- EUR/Person s.o.) zu beteiligen.
  • Sollte nur ein Platz zum Erreichen der maximalen Teilnehmerzahl frei sein und die Buchung von zwei Personen gemeinsamm eingehen, werden wir die Gruppengröße um eine Person erweitern.

Anforderungen der Reise:

Die Reise ist nicht für Personen mit gesundheitlichen Problemen geeignet. Eine gute körperliche Fitness ist Voraussetzung, da wir oft in weglosem Gelände unterwegs sind. Sie müssen in der Lage sein, bis zu 15 Kilometer in Gummistiefeln oder wasserdichten Bergschuhen gehen zu können. Es finden auch Flussquerungen statt. Zudem ist Ende Mai noch mit Schnee und Temperaturen unter oder etwas über dem Gefrierpunkt zu rechnen.

Ausrüstung

  • Flugtickets
  • gültiger Personalausweis oder Reisepass
  • warme Kleidung (auch Mütze, Schal, Handschuhe und dicke Socken!) und Regensachen
  • festes Schuhwerk und Gummistiefel (es stehen verschiedene Größen in Estland zur Verfügung, so dass Sie nicht zwingend eigene mitbringen müssen)
  • kleine Reiseapotheke
  • Fernglas und (wenn möglich) Spektiv
  • Bestimmungsbuch – wir empfehlen: Svensson et al. – Der neue Kosmos Vogelführer [2017] oder Lars Jonsson – Die Vögel Europas [1992], beide im Kosmos-Verlag erschienen.

Gruppengröße und Mindestteilnehmerzahl

Wir legen besonderen Wert auf Reisen in kleinen Gruppen. Bei allen Reisen ist die minimale und die maximale Teilnehmerzahl angeführt. Die Mindestteilnehmerzahl ist bis 3 Wochen vor Reisebeginn zu erreichen. Auch wenn diese Zahl nicht erreicht wird, versuchen wir die Reise durchzuführen. Wir bitten Sie dann, sich an den Mehrkosten zu beteiligen (Aufpreis Kleingruppe). Sollte nur ein Platz zum Erreichen der maximalen Teilnehmerzahl frei sein und die Buchung von zwei Personen gemeinsam eingehen, werden wir die Gruppengröße um eine Person erweitern.

Hinweis zu den Zielarten

Auf unseren Reisen beobachten wir die Vögel in ihrem natürlichen Lebensraum und können Ihnen nicht garantieren, alle hier aufgeführten Zielarten auf der Tour zu sehen. Unsere Reiseleiter bemühen sich, Ihnen so viele Vogelarten wie möglich zu zeigen.

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